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Was ein großer Teil der "Web-Profis" (Webdesigner/Programmierer und sonstige Interessierte) schon weiß und nutzt, scheint mir vielen (Standard-)Anwendern noch unbekannt zu sein. Vielerorts wird zum chatten, Nachrichten senden (Instant Messaging), Audio- und Videophonieren noch auf die großen kommerziell ausgerichteten Anbieter wie ICQ, MSN oder Skype zurückgegriffen (nicht zuletzt weil diese oft schon standardmäßig installiert sind) - das ist einfach, aber mit vielen Unbequemlichkeiten verbunden, wenn man den Dingen auf den Grund geht.
Kommerzielle Anbieter verfolgen kommerzielle Interessen (Überraschung!)
Dagegen mag erstmal nichts sprechen, doch sollte man sich als Benutzer dessen bewusst sein. Nebst Werbeeinblendungen, Spybots und die eventuelle Verwendung personenbezogener Daten, berechtigen die AGBs dieser Anbieter fast immer die Nutzung der geschriebenen/geschickten Inhalte über deren Netzwerke zur automatischen Verwendung eben jener zum eigenen Zweck. Im Prinzip (nicht unähnlich Facebook) machen sich diese Anbieter praktisch immer automatisch zum Sublizenznehmer. Nun werde ich das Rad nicht neu erfinden und möchte auf eine Site verweisen die sich detaillierter mit den Vorzügen von Jabber/XMPP befasst:
http://www.jabber-server.de/ueber/#warum-jabber-nutzen
Anbei fasse ich jedoch nochmals die Hauptpunkte zusammen um zu zeigen, dass es für jede Person die im Internet kommuniziert, lohnend ist, sich damit zu beschäftigen.
- Sicherheit: Verschlüsselung zum Server/Chatpartner (SSL, TSL) sowie OTR (Off the Record oder PGP). Man möchte sich ja häufig doch lieber privat unterhalten.
- Werbefrei: Ein Haufen verschiedenster Clients (Programme mit denen es genutzt werden kann) ist für Jabber/XMPP verfügbar - soweit ich weiß, sind tatsächlich alle werbefrei - der Einfachheit halber benutze ich Pidgin und kann es nur weiter empfehlen.
- Keine Viren, Bots oder Spyware: Zumindest jede/r Icq-NutzerIn kennt inzwischen wahrscheinlich die Belästigungen durch Bots in Form von irgendwelchen "russischen Freundschaftsanfragen", etc..
- Features und Funktionen: Mehrbenutzer-, Voice- und Videochats sind mit den richtigen Clients prinzipiell möglich.
- Zukunftssicher und Quelloffen: Jabber ist tatsächlich Opensource und gilt als Internetstandard, wird also nicht nur von irgendwelchen Freaks verwendet, sondern (oft im Hintergrund) auch großen Anbietern wie GMX (Email-Account = auch Jabber-Account, Facebook (weswegen man beispielsweise den Facebookchat auch in viele Clients integrieren kann) etc..
Anbieter und Anwendung
Es gibt mittlerweile schon einen Haufen Jabber-Server, hier liste ich nur ein paar wenige Anbieter auf, die mir schon über den Weg gelaufen sind :). Anders als bei den proprietären Anbietern, kann man bei Jabber natürlich mit Nutzern verschiedenster (Jabber)Anbieter kommunizieren ohne dafür jeweils einzelne Accounts zu haben und sich somit auch den Anbieter aussuchen, der einem am symphatischsten/vertrauenswürdigsten/funktionalsten erscheint (oder mehrere wer will :).
| Server |
Betreiber |
Kommentare/Persönliche Erfahrungen |
| Jabber.at |
Fachschaft der Technischen Universität Wien |
Zuverlässig und netter Support, eine schöne Sache. |
| jabber.ccc.de |
Chaos Computer Club |
Lt. Statement vom Chaos Computer Congress 2010 sind die Benutzerzahlen schon so hoch, dass man sich mehr Dezentralisierung wünscht, daher wird dieser Server nicht mehr ausdrücklich empfohlen.
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| jabber.org |
Ehrenamtliche Organisation |
DER Klassiker sollte man meinen, aber von mir noch nicht getestet. Dezentralisierung und so... |
| jabber.piratenpartei.at |
Piratenpartei Österreich |
Funktioniert soweit einwandfrei |
| jabber-server.de |
René Dhemant und sein Büro für Mediengestaltung |
Soweit ich mich erinnere ist eine Anmeldung über ein Online-Formular nötig. Hatte Probleme beim Testen der Collaborate-Funktion von Abiword (gemeinsam über XMPP Dokumente bearbeiten). |
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gmx.net
gmail.com
facebook.com
...
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Kommerzielle Mail-Anbieter
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Wie bereits erwähnt, auch kommerzielle Anbieter nutzen den offenen Standard (für den Anwender kostenlos versteht sich), z.B. GMX für seinen eigenen Messenger. Wer schon einen Account bei den genannten Anbietern (und manch anderen) hat, kann diesen im Prinzip als Jabber-Account (gleiche Login-Daten) nutzen... stellt sich natürlich noch die Frage ob man das will.
Spezialfall Facebook: Obwohl ich sonst kein Fan bin, viele sind ja leider online fast nur noch über diesen Kanal zu erreichen. Die Implementierung des Chats mit einem (leicht verstümmelten) XMPP lässt immerhin das fröhliche Kommunizieren über einen Instant Messenger-Client zu, ohne die Website besuchen zu müssen (Domain: chat.facebook.com). Entgegen den Jabber-Prinzip, muss man aber einen Account bei Facebook selbst habe, um dies nutzen zu können, das wollten sie sich nicht nehmen lassen.
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Eine kleine Anleitung wie man beispielsweise mit dem schon erwähnten Pidgin-Instant-Messenger Jabber/XMPP einrichtet und der Verweis auf andere Clients findet sich z.B. hier (obwohl es praktisch kinderleicht ist).
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Eine Problematik wäre da noch... vorhandene Accounts und Freundesnetzwerke
Wer schon länger im Netz unterwegs ist und es zur Kommunikation nutzt, der hat wahrscheinlich schon das eine oder andere Programm um sich auf die verschiedensten Wege zu unterhalten - und wahrscheinlich von proprietären Anbietern. Diese schließen den Zugang von freien Protokollen aus, was heißt, dass ich beispielsweise mit Jabber nicht wirklich gut jemandem, der beispielsweise in MSN ist schreiben kann. Dazu gibt es im Prinzip 2-3 "Lösungen":
a) Die Intelligente, aber schwierige: Haben einen erst einmal die Vorzüge von Jabber begeistert, zumal ja viele gute Argumente dafür sprechen, sollte man seinem Netzwerk davon kund tun und diese überzeugen, dass es nicht nötig ist sich unter das Joch kommerzieller Anbieter zu begeben (ohne Funktionalität einzubüßen). Das gestaltet sich oft schwieriger, als man meint, da viele einfach zu bequem sind, dabei ist der Aufwand wirklich gering im Verhältnis zu den paar Klicks "Arbeit".
b) Die praktische, nicht sehr nachhaltige Variante: Moderne Clients wie Pidgin oder Miranda ermöglichen ja nicht nur die Verwendung eines Protokolls, weshalb man sich in verschiedensten Netzen gleichzeitig aufhalten kann. Man muss dazu jedoch klarerweise jeweils einen Account des Anbieters haben (wenn nicht schon vorhanden). D.h man muss nicht auf seine alten Kontakte von anderen Anbietern verzichten und kann auch gemütlich mit diesen quatschen. Das ist sehr einfach gemacht, auch wenn nicht immer alle Funktionen problemlos unterstützt werden, aber im Endeffekt wäre es sicher sinnvoller, wenn man nicht 5 Accounts braucht und vor allem auch anderen die oben genannten Möglichkeiten von Jabber/XMPP nutzen lassen kann (obwohl einige durch die Clients sowieso erhalten bleiben).
c) Eher der vollständigkeit Erwähnt gibt es sogenannte Ports, die auch eine Verbindung zu anderen (proprietären Netzwerken) erlauben. Den Vorteil gegenüber eines zusätzlichen Accounts in Multi-Messenger hab ich aber persönlich nie gesehen/verstanden.(Daher auch 2-3 Lösungen :)
Weitere Infos:
Wer sich des weiteren auch für technische Aspekte und dergleichen dieses Protokolls interessiert, der kann beispielsweise beim guten alten Wikipedia anfangen hineinzuschnuppern.
Wer sich für eine einfache Verschlüsselung bzw. Anonymisierung der Chatgespräche interessiert, der sollte sich mal OTR (Off-the-record)-Messaging anschauen. Die meisten Clients unterstützen dies schon - unter Linux ist es bei Pidgin meist nur ein Klick im Addons-Menü), bei Windows muss es meines Wissens nach immer noch manuell heruntergeladen und nachinstalliert werden. |